Die WM ist das Flaggschiff, aber nicht der einzige Major im Darts-Kalender. Wer sich ausschließlich auf die World Darts Championship konzentriert, verpasst zwei Turniere, die für Grand Slam Darts Wetten und Matchplay-Strategien mindestens ebenso interessant sind: das World Matchplay in Blackpool und den Grand Slam of Darts in Wolverhampton. Beide Turniere bieten 2026 jeweils Preisgelder von einer Million Pfund – Teil des historischen PDC-Gesamtpakets von über 25 Millionen.
Was diese beiden Majors für Wetter besonders macht: Sie haben grundlegend verschiedene Formate. Das Matchplay wird komplett in Legs gespielt – keine Sets, kein Satz-Puffer. Legs statt Sets – das ist der zentrale Unterschied zur WM und verändert die gesamte Wettlogik. Der Grand Slam kombiniert eine Gruppenphase mit einem Knockout – ein Format, das im Darts einzigartig ist und eigene Wettmärkte erzeugt.
Dieser Artikel vergleicht beide Turniere, analysiert ihre Formate und zeigt, welche Wettstrategien jeweils am besten funktionieren.
World Matchplay: Leg-Format ohne Sets
Das World Matchplay ist das älteste PDC-Major nach der WM und findet traditionell im Juli im Winter Gardens in Blackpool statt – einer Venue mit einzigartiger Atmosphäre, die selbst erfahrene Spieler beeinflusst. Das Format: reines Best-of-Legs, von Best-of-19 in der ersten Runde bis Best-of-35 im Finale. Keine Sets, keine Puffer – jedes verlorene Leg zählt direkt.
Für Tipper hat das Leg-Format drei wesentliche Konsequenzen. Erstens: Die Volatilität ist höher als bei der WM. In einem Set-Format kann ein Spieler einen Satz 3:2 verlieren und trotzdem im Match bleiben, weil der Set-Puffer Schwächephasen auffängt. Im Leg-Format gibt es diesen Puffer nicht. Jeder Break zählt sofort und verschiebt die Gesamtbilanz. Das bedeutet: Handicap-Wetten auf den Favoriten sind beim Matchplay riskanter als bei der WM, weil ein einziger schlechter Durchgang drei oder vier Legs kosten kann.
Zweitens: Over/Under-Linien auf Total Legs sind präziser kalkulierbar als bei der WM, weil keine Set-Struktur die Leg-Zahl verzerrt. Ein Best-of-25-Legs-Match kann zwischen 13 und 25 Legs dauern – die Spanne ist klar definiert, und die Spielerprofile (TDA, Checkout-Quote, Break-Frequenz) lassen sich direkt in eine erwartete Leg-Zahl übersetzen. Ein Beispiel: Zwei Spieler mit einem Average über 100 und wenigen Breaks in der Saison treffen im Matchplay-Viertelfinale aufeinander (Best-of-31 Legs). Die Linie liegt bei 23,5 – Under ist die analytisch fundierte Richtung, weil bei hohem Scoring ohne Breaks ein Ergebnis von 16:8 oder 16:10 wahrscheinlicher ist als ein Marathon bis 16:15.
Drittens: Der Throw-Vorteil ist im Leg-Format noch wichtiger als bei der WM. Wer den Anwurf hat, kontrolliert das Leg – und im reinen Leg-Format gibt es kein Set-Reset, das den Throw-Vorteil neu verteilt. Tipper, die Live-Wetten spielen, können den Throw-Rhythmus verfolgen und nach Breaks einsteigen, wenn die Quoten überreagieren.
Das Matchplay in Blackpool hat zudem einen Sonderfaktor: die Spielstätte. Die Winter Gardens sind eine kompakte, laute Arena mit einer Atmosphäre, die seit Jahrzehnten zum Mythos des Turniers beiträgt. Spieler beschreiben die Kulisse als intensiver als den Alexandra Palace bei der WM – und diese Intensität beeinflusst die Ergebnisse. Für Wetter ist der Venue-Effekt ein qualitativer Faktor, der sich nicht in Zahlen fassen lässt, aber die Ergebnisse beeinflusst – besonders bei Spielern, die zum ersten Mal in Blackpool antreten und von der Kulisse überwältigt werden. Erstrundenmatches beim Matchplay produzieren deshalb überdurchschnittlich viele Upsets.
Grand Slam: Gruppenphase als Wett-Chance
Der Grand Slam of Darts in Wolverhampton ist das einzige PDC-Major mit Gruppenphase. 32 Spieler werden in acht Gruppen à vier Spieler eingeteilt. Jeder spielt gegen jeden in der Gruppe (Best-of-9 Legs), die besten zwei qualifizieren sich für die Knockout-Phase. Ab dem Achtelfinale geht es im Best-of-19-Legs-Format weiter, das Finale wird über Best-of-31 gespielt. Das Kurzformat in der Gruppenphase (Best-of-9) erzeugt deutlich mehr Überraschungen als die längeren Formate der Knockout-Runden – ein Underdog braucht nur fünf Legs, um den Favoriten zu schlagen.
Die Gruppenphase erzeugt Wettmärkte, die es bei keinem anderen PDC-Turnier gibt: Gruppensieg, Qualifikation (Top-2 der Gruppe) und Total Points in der Gruppe. Diese Märkte sind besonders interessant, weil die Gruppen-Auslosung oft ungleiche Konstellationen erzeugt. Eine Todesgruppe mit drei Top-16-Spielern produziert andere Quoten als eine Gruppe mit einem klaren Favoriten und drei Außenseitern.
Für die Qualifikationswette ist der Grand Slam ideal, weil die Gruppenphase drei Spiele pro Spieler umfasst – genug, um eine schlechte Auftaktpartie auszugleichen, aber zu wenig, um eine komplett missratene Form zu korrigieren. Die Erfahrung zeigt, dass Top-Spieler, die ihre Gruppenphase ernst nehmen und von Beginn an fokussiert spielen, fast immer weiterkommen. Die Überraschungen entstehen in Gruppen, in denen zwei annähernd gleichstarke Spieler um den zweiten Platz kämpfen – hier liegen die Quoten oft im Bereich von 2.50 bis 3.50 und bieten echten Value.
Ein zusätzlicher Wettmarkt beim Grand Slam: die Anzahl der Legs in einem Gruppenspiel. Da die Gruppenmatches nur Best-of-9 sind, liegt die Spanne bei 5 bis 9 Legs – ein sehr enger Korridor, der Over/Under-Wetten hochgradig von den Spielerprofilen abhängig macht. Ein Duell zwischen einem Top-4-Spieler und einem Qualifikanten endet häufig 5:1 oder 5:2, während zwei gleichstarke Spieler eher ein 5:4 produzieren. Wer die Gruppe kennt, hat hier einen klaren Analysevorteil.
Die Wetteinsätze auf vergleichbare Major-Events wachsen deutlich. Entain meldete für den World Grand Prix 2025 einen Anstieg der Wetteinsätze um 32 Prozent gegenüber dem Vorjahr – ein Trend, der auch auf das Matchplay und den Grand Slam zutrifft. Mehr Wettvolumen bedeutet schärfere Quoten bei den Top-Matches, aber weiterhin Ineffizienzen in den Gruppenspielen und frühen Knockout-Runden.
Ein taktischer Hinweis: Der Grand Slam ist das einzige Turnier, bei dem PDC-Spieler und Spieler anderer Organisationen aufeinandertreffen. Gelegentlich qualifizieren sich WDF-Spieler oder Challenge-Tour-Vertreter, deren Daten für die PDC-fokussierten Buchmacher schwerer einzuschätzen sind. In diesen Konstellationen entstehen die größten Quoten-Ineffizienzen des gesamten Darts-Kalenders.
Fazit
World Matchplay und Grand Slam sind zwei Majors, die sich in Format und Wettlogik fundamental unterscheiden – voneinander und von der WM. Legs statt Sets beim Matchplay erzeugt höhere Volatilität, präzisere Over/Under-Linien und einen stärkeren Throw-Vorteil. Die Gruppenphase beim Grand Slam liefert einzigartige Wettmärkte auf Qualifikation und Gruppensieg, die kein anderes PDC-Event bietet.
Für strategische Tipper bieten beide Turniere Chancen, die im WM-Hype oft untergehen. Die Preisgelder von jeweils einer Million Pfund ziehen ein starkes Feld an, aber das Wettvolumen bleibt unter dem der WM – und genau in dieser Lücke zwischen Teilnehmerqualität und Marktaufmerksamkeit liegt der Value, den informierte Tipper ausnutzen können. Wer seinen Wettkalender über die WM hinaus plant, findet im Sommer in Blackpool und im Herbst in Wolverhampton zwei der besten Gelegenheiten des Jahres.
